Der Regionaldirektor für Südosteuropa und Leiter des Athener Goethe-Instituts, Herr Dr. Matthias Makowski, sprach im Interview mit GR-AKTUELL u.a. über die Geschichte des Goethe-Instituts in Athen, sowie über die Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland im Bildungsbereich.

 M.Makowski

Lesen Sie das Interview:

  1. 1.Sagen sie uns etwas über die Geschichte des Goethe-Instituts in Athen!

Dr. Makowski: Das Goethe-Institut Athen ist das offizielle deutsche Kulturinstitut in der griechischen Hauptstadt. Es wurde 1952 gegründet und ist das älteste Goethe-Institut im Ausland. Nach den traumatischen Erfahrungen der deutschen Besatzung während des zweiten Weltkriegs ist die von Griechenland ausgestreckte Hand zur Versöhnung nicht hoch genug zu bewerten. Dieses Erbe ist aber auch Verpflichtung. Das Institut entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden Element im Kulturleben der Hauptstadt und darüber hinaus. In der schweren Zeit der Junta wiederum war das Institut ein Anlaufpunkt für Intellektuelle und Künstler, ein Ort der freien Meinung mit Zugang zu Medien und Möglichkeit zu freiem Gedankenaustausch.

Von Anfang an war neben der Vermittlung der deutschen Sprache die kulturelle Zusammenarbeit eine zentrale Aufgabe des Goethe-Instituts. Die bedeutende Bibliothek vermittelt ihrerseits ein aktuelles und relevantes Bild Deutschlands in Griechenland.

  1. 2.Wie schätzen Sie die griechische-deutschen Beziehungen im Bereich der Bildung ein?

Dr. Makowski: Insbesondere die Bildungskooperation zwischen Griechenland und Deutschland ist ein fruchtbares Feld intensiver gemeinsamer Beziehungen. Die deutsche Schule Athen zählt zu den ältesten deutschen Auslandsschulen überhaupt, die Absolventen stellen einen hohen Anteil im „Who is Who“ der griechischen Gesellschaft dar. Das Deutsche Archäologische Institut Athen gehört zu den renommiertesten wissenschaftlichen Instituten dieser Art. Die Wissenschaftsbeziehungen sind auch im Bereich anderer Fachdisziplinen außenordentlich eng. Hier spielt die hohe Bedeutung der deutschen Sprache in Griechenland eine zentrale Rolle, die zu fördern zu den Kernaufgaben des Goethe-Instituts gehört. Noch immer und trotz der lang anhaltenden ökonomischen Krise des Landes werden an keinem Goethe-Institut der Welt mehr Sprachprüfungen abgenommen als in Athen.

Gute Bildungsbeziehungen sind aber kein „Selbstläufer“, sie bedürfen der Pflege, guten Willens und vor allem der Kontinuität. In der Zukunft wird dieses Handlungsfeld immer stärker in die Vertiefung der europäischen Kooperationen eingebunden sein. Und dabei sind die engen Beziehungen in Schule und Universität wichtig.

  1. 3.Hat Ihrer Meinung nach die Wirtschaftskrise in Griechenland die Schülerzahl der Studenten des Goethe-Instituts in Athen  beeinflusst oder beeinträchtigt? Wenn ja inwiefern?

Dr. Makowski: Nahezu alle Lebensbereiche in Griechenland sind von der massiven ökonomischen Krise betroffen. Als Kulturinstitut, das seine Ausgaben überwiegend aus dem Verkauf der eigenen Dienstleistungen decken muss, ist das Institut doppelt betroffen: einerseits hat die Zahl unserer Studenten und Prüfungsteilnehmer abgenommen, andererseits fehlen die dadurch entgangenen Einnahmen für unsere früher so umfangreichen Projekte in Kultur und Bildung. Die Situation bessert sich – was auch daran liegen mag, dass das Institut die Krise zum Anlass nimmt, seine Angebote noch genauer an den Bedürfnissen der Lerner anzupassen.

  1. 4.Spielen die Stereotypen, die während der Krise die Beziehungen zwischen den beiden Ländern belastet haben sollen, immer noch heute eine Rolle? Was ist Ihre Ansicht?

Dr. Makowski: Bei solch pauschalen Fragen sollte man sich bei der Antwort umso mehr um Differenzierung bemühen. Es ist wahr: in den schwierigen Jahren der „Task Forces“ und Rettungsprogramme bedienten die Medien die altbewährten Stereotype: der faule Grieche, der seine „Hausaufgaben“ nicht macht, gehörte ebenso dazu wie der deutsche Michel, der nach der militärischen Niederlage seine imperiale Vormachtstellung ökonomisch kompensierte. Beim Griff in die „unterste Schublade“ der Geschmacklosigkeiten ist vermutlich keine Nation ins Hintertreffen geraten. Diese Schlachten wurden in den Medien geschlagen und mancher Schlag ging unter die Gürtellinie.

Unbeeindruckt intensivierte sich aber in der Ökonomie, in Bildung, Kultur und Wissenschaft die Zusammenarbeit. Persönlich waren die Beziehungen zu den allermeisten Partnern eng und kooperativ. Heute, da wir die Früchte dieser Intensivierung ernten können, stehen Stereotype nicht im Vordergrund. Sie sind aber vergleichbar mit dem vergessenen Gespenst, das im Keller wohnt und uns jederzeit wieder einholen kann, wenn wir uns unserer gemeinsamen Beziehung zu sicher sind.

  1. 5.In welchen Feldern möchte das Goethe-Institut in der Zukunft den Dialog mit Griechenland verstärken? Wo erkennen Sie die größten Herausforderungen?

Dr. Makowski: 2015 fokussierten wie in einem Brennglas zwei entscheidende politische Entwicklungen Griechenland. Die ökonomische Krise regierte die erste Jahreshälfte, die schließlich zu Devisenverkehrskontrollen und noch weiteren Einflüssen auf das Leben der Griechen führte. Kaum waren die Auswirkungen dieser Entwicklung realisiert, wuchs die Zahl der Abertausend Menschen, die aus Syrien und anderswo über die Türkei nach Griechenland kamen, um vor Krieg und Terror in ihrer Heimat zu fliehen und landeten im vermeintlichen sicheren Hafen Europa. Beide Ereignisse veränderten Europa nachhaltig, die Europäische Union geriet in die tiefste Krise seit ihrer Gründung, die Auswirkungen auf das Zusammenleben in Europa sind noch gar nicht abzusehen.

Ich bin davon überzeugt, dass uns dieses Entwicklungen in den nächsten Jahren weiter beschäftigen werden und darüber mitentscheiden, welches Europa wir unseren Kindern überlassen. Die zentralen Herausforderungen in diesen Bereichen liegen nach der Linderung der humanitären Not in Bildung und Kultur. Daran müssen europäische Kulturinstitute mitwirken.

Dr. Matthias Makowski

Institutsleiter

Regionaldirektor Südosteuropa

Archelaos P.

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