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Zweifellos eine der prominentesten Persönlichkeiten der griechischen Kultur des 20. Jahrhunderts, revolutionierte Manos Hadjidakis die griechische Musik mit seinem unvergleichlichen melodischen Stil. Oft von der Poesie inspiriert, übertrug er die Welt der Worte in die Welt der Klänge, indem er ein magisches Universum schuf, das viele Komponisten in Griechenland und im Ausland beeinflusst hat. In seiner Heimat hatte er großen Erfolg und wurde einem internationalen Publikum durch seine Filmsoundtracks bekannt, für die er 1961 einen Oscar gewann.

"Mein Leben war nicht das eines Musikers. Es war mehr ein Leben geprägt von Gefahr und rastloser Jugend, die Musik half irgendwie, ruhig zu bleiben und ein ‚rechtschaffener Bürger zu sein".

Hadjidakis wurde am 23. Oktober 1925 in Xanthi, Griechenland, geboren. Er begann mit vier Jahren Klavierunterricht und lernte später auch Geige und Akkordeon. 1932 zog er – nach der Scheidung seiner Eltern – mit seiner Mutter nach Athen. Sein Vater starb 1938 bei einem Flugzeugabsturz und hinterließ die Familie in einer finanziellen Notlage, die durch die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg noch verschlimmert wurde. Hadjidakis arbeitete eine Reihe von Gelegenheitsjobs, um seine Familie zu unterstützen, schaffte es aber auch, als Jugendlicher fortgeschrittene Musiktheorie und Komposition zu studieren, und schrieb sich auch an der Universität von Athen ein, um Philosophie zu studieren; die Umstände hinderten ihn daran, sein Studium abzuschließen). 1943 lernte er den verehrten surrealistischen Dichter Nikos Gatsos kennen, der später sein Lieblingstexter wurde und mit ihm an den meisten seiner Gesangskompositionen arbeitete.

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Hadjidakis fand zum ersten Mal ein Ventil für seine kompositorischen Fähigkeiten, als er mit dem ‘Art Theatre of Athens‘ in Kontakt kam und trug Musik zur Inszenierung von Alexis Solomos “The Last White Crow“ (Die letzte weiße Krähe) im Jahr 1944 bei. Er arbeitete für die nächsten 15 Jahre mit dem Art Theatre zusammen, vertonte eine Reihe kanonischer Stücke von amerikanischen und europäischen Schriftstellern, wobei er Anfang der 50er Jahre auch für das griechische Nationaltheater Musikstücke komponierte. Er schrieb 1946 seine erste Filmmusik und veröffentlichte im folgenden Jahr sein erstes zeitgenössisches Klavierstück “For a Small White Seashell“(Für eine kleine weiße Muschel). 1948 hielt Hadjidakis einen hochkarätigen akademischen Vortrag, in dem er Rembetiko lobte, die beliebte Volksliedform, die der städtischen Unterschicht vorbehalten war und von der konservativen Intelligenz als grenzwertig unmoralisch angesehen wurde. Das musikalische Establishment des Landes war empört, aber Hadjidakis hatte den Weg vorgezeichnet, der ihn zu einer der am meisten geschätzten Musikerpersönlichkeiten im modernen Griechenland machen würde.

Als Komponist umarmte Hadjidakis Rembetiko in seinem 1951 entstandenen Klavierwerk “Six Folklore Paintings“(Sechs volkstümliche Gemälde), das Rembetiko-Melodien in eine kunstvollere Präsentation adaptierte und auch als Ballett präsentiert wurde (eines von vier, die er von 1949 bis 1957 komponierte). In der Zwischenzeit hatte er begonnen, Musik für Theateraufführungen klassischer griechischer Tragödien zu komponieren, beginnend mit der Orest-Trilogie von Aischylos im Jahr 1950; normalerweise war ein solcher Auftrag wissenschaftlichen Akademikern vorbehalten. 1954 vollendete er mit “The C.N.S. Cycle“, ein Liederzyklus für Klavier und Bariton-Sänger, eines seiner wichtigsten klassischen Werke. Im folgenden Jahr drehte er den Film “Stella“, der sich als einer seiner größten Erfolge in diesem Bereich herausstellte. Die Hauptdarstellerin Melina Mercouri, die Hadjidakis aus ihrer Theaterzeit kannte, sang die Lieder des Soundtracks und wurde eine der beliebtesten Interpretinnen von Hadjidakis.

Sonntags nie

1959 begann Hadjidakis mit der jungen, aufstrebenden Nana Mouskouri zu arbeiten; er half auch, die Musik von Mikis Theodorakis dem griechischen Publikum vorzustellen, indem er sein Lied "Epitaphios" für eine Mouskouri-Aufnahmesession arrangierte. Im folgenden Jahr traf er sich wieder mit Mercouri in dem von Jules Dassin inszenierten Film “Never on Sunday“(Sonntags nie). Es war ein bahnbrechender internationaler Hit, der Hadjidakis einen Oscar für seinen Titelsongeinbrachte, der in vielen Teilen der Welt zu einem Riesenerfolg wurde. 1962 inszenierte er das umstrittene Musical “Street of Dreams“(Traumstraße), das heute wegen seiner offenen Thematik als Wahrzeichen des griechischen Theaters gilt, und überarbeitete seine Partitur für “Die Vögel“ von Aristophanes, die später zu seinen besten Kompositionen zählte.

Hadjidakis komponierte die Musik für zwei weitere international bekannte Filme – Elia Kazans “America, America“ (1963) und Jules Dassins “Topkapi“ (1964) – und ging eine lange Partnerschaft mit dem berühmten Choreografen Maurice Béjart ein. Außerdem gründete Hadjidakis 1964 das ‘Athens Experimental Orchestra‘, das als Vehikel für sein eigenes Werk und das von griechischen Avantgarde-Komponisten wie Iannis Xenakis diente. Aber mit seinem Interesse an experimenteller Musik wuchs auch sein Interesse an Songstrukturen. Sein Werk “Mythologie“ aus dem Jahr 1965 führte ihn in seinem traditionellen Songwriting immer weiter, indem er Elemente der symphonischen, byzantinischen und antiken griechischen Musik mit moderner Rembetika verschmolz.

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1966 reiste Hadjidakis zur Broadway-Premiere von “Illya Darling“, der Bühnenversion von “Never on Sunday“ nach New York. Er blieb dort bis 1972, unter anderem wegen der Militärjunta. Während seines Aufenthalts in Amerika vollendete er mehrere weitere bedeutende Kompositionen, darunter die Orchestersuite “Gioconda‘s smile“ (Das Lächeln der Gioconda) und den Liederzyklus “Magnus Eroticus“, der 12 griechische Gedichte der Moderne und der Antike in Musik setzte. Immer noch fasziniert von populären Liedern, nahm er mit dem New York Rock and Roll Ensemble auch die LP “Reflections“ auf.

Hadjidakis kehrte 1972 nach Griechenland zurück und übernahm nach dem Sturz der Militärdiktatur eine Reihe hochrangiger kultureller Positionen: die Leitung des Staatsorchesters (bis 1981) und des klassisch orientierten Senders des nationalen Rundfunks (1982) sowie die Position des stellvertretenden Direktors der Nationaloper (bis 1977). Er startete in den späten 70er und frühen 80er Jahren mehrere Musikfestivals und Wettbewerbe und gründete 1985 seine eigene Plattenfirma (Sirius) sowie ein Kulturmagazin. 1989 gründete und leitete er das ‘Orchestra of Colours‘ (Farbenorchester), eine symphonische Gruppe, die sich unkonventionellen Werken widmete. Zu diesem Zeitpunkt litt er an Herzproblemen, die ihm schließlich am 15. Juni 1994 das Leben kosteten.

Manos Hadjidakis hat die zeitgenössische Musik in Griechenland und im Ausland geprägt.Viele seiner Lieder, größeren Kompositionen und Aufnahmen gelten immernoch in Griechenland als Klassiker und als Eckpfeiler der modernen populären Musik des Landes.

Bildquelle: www.ertnews.gr, @MusicLibraryGreece (fb)

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