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Dimitris Tzamouránis, 1967 in Kalamáta / Griechenland geboren, lebt seit 1990 als Maler in Berlin. Er wuchs in einem religiösen Haus auf, sein Vater war Maler, sein Großvater Ikonenmaler. Er selbst versteht sich als einen figurativer Maler, als einen Maler im klassischen Sinne des Wortes, der in den letzten Jahren sehr persönliche Bilder in einer realistischen Bildsprache schafft und mit traditionellen Verfahren experimentiert, ohne dass dabei seine Kunst an Aktualität einbüßt. Seine gegenständlichen, großformatigen Gemälde zeugen von einem großen handwerklichen Können. Retrospektiven mit seinen Werken wurden bereits in der Kunsthalle Osnabrück, in der Miro Gallery in Prag, im Athener Frissirás Museum sowie in der Galerie Haas in Zürich gezeigt.

Das englischsprachige Online-Magazin Greek News Agenda (GNA) führte ein Interview mit dem in Berlin lebenden griechischen Maler, aus dem wir Auszüge veröffentlichen. Lesen Sie das ganze Interview hier.

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Embarkation for Cythera II, 2017, oil on canvas, 310 X 225, (courtesy of Galerie Michael Haas, Berlin)

Sie wurden in ein Haus hineingeboren, wo die Malerei tagtäglich präsent war. Wie hat dieses Milieu Sie beeinflusst, den Weg als Maler zu gehen?

Ich bin in einem Haus groß geworden, welches gleichzeitig eine Malereiwerkstatt war, denn mein Vater, wie auch mein Großvater mütterlicherseits waren Maler. Dieser Alltag und die Einflüsse, die daraus hervorgehen, haben mich natürlich erheblich beeinflusst. Als Kind ging ich mit meinem Vater in die freie Natur und wir malten gemeinsam Landschaftsbilder. Die Erfahrungen in meiner Kindheit haben durchaus eine große Rolle gespielt. Im Laufe der Zeit jedoch habe ich mich weiterentwickelt und fand zu meinem eigenen Stil und zu meiner eigenen Ästhetik.     

Sie gehören zu den wichtigsten Vertretern der gegenständlichen Malerei. Wo möchten Sie Ihre Zuschauer mit Ihrer Malerei hinführen?

Ich glaube, dass der Sinn der Kunst die Nachahmung der Natur ist, mit dem Endzweck allerdings die Realität hinter sich zu lassen um das Schöne zu erfassen, welches genau so wichtig ist, wie das Gute und das Wahre. Dieser Schaffensprozess unterscheidet gerade die Malerei von der Fotografie oder vom Video. In den letzteren geht es eigentlich um eine Darstellung der Realität mit technischen Mitteln. In einem gelungenen Gemälde dagegen geht es um die Übersteigung der Wirklichkeit.  

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Kathrin and Zoe, 2018, oil on canvas, 290 X 190, (courtesy of Galerie Michael Haas, Berlin)

In Ihren Werken, welche geradezu einen epischen Charakter aufweisen, geben Sie die Gesichtszüge und die Körpersprache der Protagonisten mit erstaunlicher Ausdruckskraft wieder. Versuchen Sie dadurch die Psyche des modernen Menschen zu entziffern und zu erforschen?

Die Gesichter meiner Gemälde haben gewöhnlich mit Menschen zu tun, welche zu meinem Freundes- oder Familienkreis gehören. Die Antwort auf die Frage, inwiefern die Darstellung der menschlichen Gestalt im Laufe der Kunstgeschichte sich gewandelt hat, kann folgendermaßen lauten: Die Themenvielfalt allgemein ist in der Malerei aller Zeiten eher beschränkt: Sie hat mit den fundamentalen Fragen des Lebens, der Liebe und des Todes zu tun. “Die Kunst ist eine Lüge, welche uns dabei verhilft, die Wahrheit zu finden”, sagt Picasso.      

Sie leben seit Jahrzehnten in Berlin. Vermissen Sie Griechenland?

Ich lebe seit drei Jahrzehnten in Berlin, aber ich habe persönlich wie auch beruflich Verbindungen zu Griechenland. Ich fahre oft nach Kalamáta. Da in der Nähe habe ich ein Maleratelier, wo ich auch arbeite.   

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Zoe, 2019, oil on wood, 100 X 140, (courtesy of Zina Athanassiadou Gallery, Thessaloniki)   

Welche Pläne haben Sie für die nächste Zukunft? Werden wir bald vielleicht eine Ausstellung von Ihnen in Griechenland sehen?

Eine Einzelausstellung wurde bereits in Der Galerie “Zena Athanasiadou” in Thessaloniki letzten Januar gezeigt. Ich plane auch ein großformatiges, dreiteiliges Gemälde, welches seinen Ausgang aus der “Göttlichen Komödie” Dantes nimmt. Es wird in der Galerie Michael Haas in Berlin gezeigt.

 

Introbild: Melancholia- Altar, Detail, courtesy of Galerie Michael Haas, Berlin
Interview mit Dimitris Tzamouránis von Marianna Varvarrigou für Greek News Agenda: „Painter Dimitris Tzamouranis: ‘Art’s ultimate objective is the pursuit of beauty’“. 
Übersetzung: AL