Teubner covers Gk

Das Studium antiker griechischer Autoren, auf Textfragmente der Antike angewiesen, ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Was der breiten Öffentlichkeit vielleicht nicht bewusst ist, sind die in Leibzig stattgefundenen wissenschaftlichen Pionierprojekte sowohl im 19. Jahrhundert als auch in jüngster Zeit, die zur Förderung und Verbreitung der griechischen Kultur und klassischen Studien beigetragen haben.

Im 19. Jahrhundert waren die wissenschaftlichen Ausgaben antiker Autoren so teuer, dass nur Bibliotheken und wohlhabende Privatgelehrten sie erwerben konnten. Andererseits waren die einfachen Ausgaben für den Gebrauch von Schülern und Studenten, auf die letztere wegen der großen Bedeutung sowohl des Lateinischen als auch des Griechischen an Gymnasien und Universitäten dennoch angewiesen waren, oft schlecht und fehlerreich gedruckt. Diese Kluft versuchte der Leibziger Verleger Tauchnitz mit seinen preiswerten Textausgaben zu überbrücken. Benedictus Gotthelf Teubner, ursprünglich Angestellter bei Tauchnitz, folgte diesem Beispiel und gründete 1811 in Leipzig seinen eigenen Verlag, B.G. Teubner, in dem ab 1849 die Bibliotheca scriptorum Graecorum et Romanorum Teubneriana erschien.

Teubner Plutarch 1914
Bibliotheca Teubneriana /Quelle: Wikimedia Commons

In wenigen Jahren gelang es Teubner, eine relativ vollständige Reihe der wichtigsten antiken Autoren in zuverlässigen Ausgaben aufzubauen. Unter ihm und seinen Nachfolgern wurde die Bibliotheca Teubneriana zu einer international beachteten Institution. In ihr erschienen einerseits von den bedeutendsten Altphilologen bearbeitete mustergültige kritische Ausgaben (die sog. editiones maiores) und andererseits preiswerte Stereotypie-Ausgaben mit demselben Text, nur ohne kritischen Apparat (die sog. editiones minores) für den Gebrauch von Schülern und Studenten.

Nach dem Zweitem Weltkrieg teilte sich der Teubner-Verlag wie viele andere in eine Ost- und eine West-Firma. Beide Unternehmen führten ihre altphilologische Tradition fort, so dass es fortan bis zur Wiedervereinigung beider Verlage im Zuge der deutschen Wiedervereinigung ab 1989 auch zwei Bibliothecae Teubnerianae gab. Mit der Verringerung der großen Bedeutung der alten Sprachen für die Lehrpläne nahm im Laufe der Zeit auch der Bedarf an Textausgaben für Schüler und Studenten ab, so dass die Reihe nunmehr v. a. kritische wissenschaftliche Ausgaben umfasste. Seit 1999 erscheint die Bibliotheca Teubneriana im Verlag K.G. Saur, mitsamt dem sie wiederum (nach einer vorübergehenden Übernahme durch The Thomson Corporation 2005) seit August 2006 zum Verlag Walter de Gruyter gehört.

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Universität and Mendebrunnen Leibzig /Quelle: Wikimedia Commons, //www.flickr.com/people/28496558@N02"Snapshots Of The Past, 
University and Mendebrunnen Leipsig (i.e. Leipzig) Saxony Germany, CC BY-SA 2.0

 

Leibzig lieferte jedoch ein weiteres bahnbrechendes Projekt in Bezug auf das Studium griechischer Autoren im digitalen Zeitalter. Vor einigen Jahren fand das wegweisende Digitalisierungsprojekt der ”Fragmenta Historicorum Graecorum“ (Fragmente griechischer Historiker) statt, das von den Digital Humanities der Universität Leibzig durchgeführt wurde. Die “Fragmenta Historicorum Graecorum“ (FHG) sind die erste große Sammlung antiker griechischer und byzantinischer historischer Fragmente, die jemals realisiert wurde. Eine Sammlung von Textfragmenten aus ansonsten nicht überlieferten Werken von über 600 Autoren. Es handelt sich dabei um Zitate späterer (zumeist römischer) Autoren aus den einzelnen Werken. Die fünf Bände wurden von Karl Müller mit Hilfe von Theodor Müller und Victor Langlois herausgegeben. Das Werk wurde zwischen 1841 und 1873 in Paris vom Verlag Ambroise Firmin-Didot gedruckt.

Die “Digital Fragmenta Historicorum Graecorum“ (DFHG) sind die digitale Ausgabe der fünf Bände der “Fragmenta Historicorum Graecorum“ (FHG), die die Professorin und Projektleiterin Monica Berti am Alexander von Humboldt-Lehrstuhl für Digital Humanities der Universität Leipzig produziert hat.

Die FHG bestehen aus einer Übersicht von Auszügen aus vielen verschiedenen Quellen, die 636 antike griechische und byzantinische fragmentarische Historiker betreffen. Mit Ausnahme des ersten Bandes sind die Autoren chronologisch verteilt und decken einen Zeitraum vom 6. Jahrhundert vor Chr. bis zum 7. Jahrhundert n. Chr. ab. Fragmente werden fortlaufend nummeriert und nach Werken und Buchnummern angeordnet, wenn diese Informationen in den Ausgangstexten verfügbar sind, in denen die Fragmente erhalten bleiben. Fast jedes griechische Fragment wird ins Lateinische übersetzt oder zusammengefasst.

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Universität Leibzig /Quelle: Wikimedia Commons, Yair Haklai, Exterior of Paulinum-Leipzig University, CC BY-SA 4.0

Die digitalen Ausgaben der fünf Bände der FHG sind online verfügbar. Sie sammeln Fragmente von Autoren aus dem 6. Jahrhundert vor Chr. bis zum 2. Jahrhundert n. Chr., darunter Apollodorus von Athen (mit Fragmenten der Bibliotheca), Historiker Siziliens (Antiochus von Syrakus, Philist von Syrakus, Timaios von Tauromenius), Aristoteles und seine Schüler, Historiker der Ära von Alexander dem Großen bis 306 n. Chr., Fragmente vom Beginn der Regierungszeit Konstantins (306 n. Chr.) bis zur Regierungszeit des Kaisers Phokas (602-610 n. Chr.) sowie griechische und syrische historische Fragmente, die in armenischen Texten erhalten sind.

Die DFHG sind keine Neuauflage antiker griechischer fragmentarischer Historiker, sondern ein digitales Experiment zur Bereitstellung textueller, philologischer und historiographischer Lösungen für die Darstellung fragmentarischer Autoren und Werke in einer digitalen Umgebung. Der FHG-Korpus ist offen und groß genug, um diese Art von Computerexperimenten zu ermöglichen. Es handelt sich eigentlich um ein fortlaufendes Projekt, das den Zugang zu den Texten griechischer Autoren aus der antiken und byzantinischen Zeit fördert und dadurch zur Verbreitung der klassischen Studien sowie der griechischen Kultur beiträgt.

Introbild: Bibliotheca Teubneriana /Quelle: Wikimedia Commons

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