An einem Tag wie heute vor fünfzig Jahren starb in Athen der Dichter und Essayist Giorgos Seferis, der erste griechische Autor, welcher im Jahre 1963 für sein herausragendes Werk den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Giorgos Seferis wurde in Smyrna (Izmir in der heutigen Türkei) an der kleinasiatischen Küste am 29. Februar 1900 als Sohn eines Rechtsanwalts und Gelegenheitsdichters geboren, der es bis zum Universitätsprofessor schaffte. Als er vierzehn Jahre alt war, musste seine Familie von ihrem Heimatort fliehen, da die brutalen Verfolgungen von ultranationalistischen türkischen Kreisen das Leben der griechischen Minderheit unmöglich machten.

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In Athen beendete Seferis das Lyceum und ging anschließend nach Paris, um Jura zu studieren, wo er sich sechs Jahre lang aufhielt und die literarischen Strömungen jener Zeit kennenlernte. Nach einem Jahr in London kehrte er 1925 nach Athen zurück. Bereits ein Jahr später bestand er die Prüfung für die Aufnahme in den diplomatischen Dienst Griechenlands, in welchem er bis zum Jahr 1962 diente. Ein Jahr später wurde ihm die höchste Auszeichnung, der Nobelpreis für Literatur verliehen.

Sein Debut war ein schmaler Gedichtband im Jahr 1931 mit dem Titel „Strophi“, das soviel wie Wende oder Wendung bedeutet. Tatsächlich brachte Seferis mit seiner unprätentiösen, bedächtigen Stimme eine Wende in der griechischen Literatur. Sein literarisches Schaffen markiert einen Wendepunkt, der die griechische Literatur auch in Europa und in der ganzen Welt salonfähig machte.

„Unser Land ist verschlossen“, schrieb er in seinem dritten Gedichtband „Mythistorima“ von 1935, eine Aussage die in vielen Variationen in seinen Büchern wiederkehrt.

„Ich komme aus einem kleinen Land. Einem Felsenriff im Mittelmeer, das als einziges Gut den Kampf seines Volkes, das Meer und das Licht der Sonne besitzt. Unser Land ist klein, verfügt aber über eine gewaltige Tradition, die ungebrochen bis in unsere Zeit weiterwirkt. Griechisch ist zu allen Zeiten gesprochen worden. Unsere Sprache hat sich verändert, wie sich alles Lebendige ändert, aber Brüche sind ihr erspart geblieben. Ein anderes Merkmal dieser Tradition ist ihre Hinwendung zur Humanität; ihr Kanon ist die Gerechtigkeit“, sagte Seferis in seiner Rede in Stockholm. Klare Worte, die ihn zu einem klassischen Autor in der heutigen griechischen Literatur gemacht haben.

Seferis war Zeit seines Lebens eher ein zurückgezogener Dichter. Nur eine Ausnahme hat er gemacht, als die Panzer am 21. April 1967 in Athen rollten und sich eine siebenjährige Militärdiktatur mit beispielloser Brutalität durchsetzte.

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Der demokratisch gesinnte Seferis hat im März 1969 mit einer offenen Erklärung gegen das Militärregime entschieden gesprochen:

"Zwei Jahre sind bereits vergangen, seitdem uns ein System aufgezwungen wurde, welches im krassen Gegensatz zu den Idealen steht, für die unsere Welt, für die so aufopferungsvoll auch unser Volk im letzten Weltkrieg gekämpft hat."

Diese klaren Worte eines großen Dichters gingen damals wie Lauffeuer um die ganze Welt. Zwei Jahre später wurde sein Begräbnis von vielen zum Anlass genommen, um sich offen gegen das Regime zu äußern. Sein schmales dichterisches Werk, seine Essays, die neun Bände seiner Tagebücher, die Briefwechsel mit vielen anderen bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit, seine meisterhaften Übersetzungen aus dem französischen, englischen, altgriechischen und lateinischen sind die vielen Gesichter seines bedeutenden, ja großartigen literarischen Schaffens.

AL

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