Als Otto im Jahre 1832 zum ersten König des neuen griechischen Staates ernannt wurde, konnte niemand wissen, wie der sich noch im Jünglingsalter befindende Otto (1815-1867) die Staatsgeschäfte meistern würde. Für seinen Vater Ludwig I. von Bayern, bekennender Verehrer der griechischen Antike und eng befreundet mit Goethe, dem bekanntesten Dichter jener Zeit, bedeutete diese Entscheidung ebenfalls einen Schritt ins Ungewisse. Aus welcher Sichtauch immer man die Geschehnisse jener Zeit verfolgt, eines ist sicher: Otto gehört untrennbarzur griechischen Nationalgeschichte. Und die fast dreißig Jahre seiner Machtausübung bis zu seiner Absetzung im Jahre 1862 gehören zweifellos zu den turbulentesten der neuesten griechischen Geschichte.

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Gewiss eine spannende und abwechslungsreiche Geschichte. Zumal er eine Armee mit 3.500 Soldaten, Offizieren und einendreiköpfigen Regentschaftsrat mitbrachte, welcher die Regierungsgeschäfte in dem neugegründeten griechischen Staat unterstützen sowie das Land modernisieren sollte, indem an dem Erfolg der Griechischen Revolution angesetzt wurde.         

Die Auseinandersetzungen zwischen den Parteien und die Anti-ottonische Opposition, die sich langsam bildete, sowie auch das Unverständnis zwischen der katholisch-bayerischen Monarchie und dem glühenden Glauben an die Griechisch-Orthodoxe Kirche, die zunehmend eine wichtige Rolle im neugegründeten griechischen Staat übernahm, führten oft, schon auch in der allerersten Zeit der Ernennung Ottos zum ersten griechischen König, zu erheblichen Spannungen. 

Seine Regierung wurde zunächst von einem dreiköpfigen Regentschaftsrat aus bayerischen Hofbeamten geführt, die eher unbeliebt waren. Der Regentschaftsrat sorgte mit seinem oft willkürlichen Regieren für Missmut und Unzufriedenheit beimgriechischen Volk, welches zuvor mehr als ein Jahrzehnt einen verzweifelten Kampf gegen das vier Jahrhunderte lang währende osmanische Joch geführt hatte.  

Genau zehn Jahre nach der offiziellen Ernennung Ottos zum ersten König Griechenlands, die alle Hoffnungen der Griechen beflügelt hatte, kam es doch am 3. September 1843 zu einem großen Aufstand, der eine Zäsur markiert und dem absolutistischen Regieren ein Ende setzte. 

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Auf dem Athener Schlossplatz, wie zu jener Zeit der Platz vor dem Palast genannt wurde, versammelten sich an diesem Tag viele Menschen, darunter auch viele Freiheitskämpfer, wie der General Ioannis Makrijiannis, einer der großen Protagonisten der griechischen Revolution. Dieses Mal handelte es sich um eine unblutige Revolte mit einem einzigen Ziel. König Otto von Griechenland musste seine absolutistische Herrschaft aufgeben und eine parlamentarische Verfassung (griechisch: syntagma) mit königlicher Oberhoheit akzeptieren. Im Zuge dieser Bewegung wurden alle bayerischen und fremdländischen Offiziere und Beamten entlassen.    

Der 3. September 1843 bedeutet das Ende einer Ära und den Beginn einer politisch modernen Zeit für den neugegründeten griechischen Staat. Die konstitutionelle Monarchie erwies sich zunächst als lebensfähiger. Es dauerte wiederummehr als hundert Jahre, bis sie durch eine parlamentarische Demokratie ersetzt wurde. Nach den allgemeinen Wahlen am 17.11.1974 und einem Referendum über die Staatsform am 8.12.1974 wurde die Monarchie in Griechenland endgültig abgeschafft.

Eines erinnert an diese wechselvolle Zeit. Der Platz vor dem heutigen Parlament −welches einst der Palast von Otto und Amalia war− heißt immer noch heute „Plateia Syntagmatos“ (Platz der Verfassung).     

AL

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