Das Diplomatische und Historische Archiv des Außenministeriums bildet das institutionelle Gedächtnis der griechischen Außenpolitik. Durch die fortlaufende Erschließung und Digitalisierung entwickelt es sich zu einem modernen und leistungsfähigen Instrument der Diplomatie. Am Montag, dem 20. April, wurde das Digitalisierungsprojekt des Diplomatischen und Historischen Archivs im Rahmen einer Veranstaltung im Außenministerium offiziell vorgestellt.

In seiner Ansprache betonte Außenminister Giorgos Gerapetritis: „Die Digitalisierung von mehr als 31 Millionen Seiten wertvollen Archivmaterials stellt einen besonders wichtigen Schritt hin zu mehr Transparenz dar. Historische Rechenschaft muss auf Belegen beruhen, und diese Belege müssen objektiv sein. Jeder hat Anspruch auf ein eigenes subjektives Urteil – Historiker, Forscher, Wissenschaftler, Politiker. Die objektiven Quellen jedoch, die unsere Geschichte ausmachen, bilden die Grundlage für jede Bewertung und jede Form von Rechenschaft.“

Er betonte ferner, dass die Digitalisierung des Archivs des Außenministeriums auch „als Grundlage für die Gestaltung künftiger Politik dient. Das historische Gedächtnis schafft die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft. Niemand hat jemals erfolgreich etwas aufgebaut, ohne auf der Vergangenheit aufzubauen – nicht nur auf ihren großen Momenten, sondern vor allem auf ihren Fehlern. Denn die Analyse jedes Fehlers ist der Weg, ihn künftig zu vermeiden. Aus diesem Grund stellt die Digitalisierung des Archivmaterials des Außenministeriums im Wesentlichen den Weg dar, auf dem wir noch größere und bedeutendere Momente in der Geschichte der griechischen Diplomatie sichern werden.“

Die Anträge Griechenlands auf Mitgliedschaft in den drei Europäischen Gemeinschaften, Dienst für Diplomatische und Historische Archive, Archiv der Botschaft in Rom, 1975, Akte 5.1

Das Projekt wurde im Rahmen des Nationalen Aufbau- und Resilienzplans „Griechenland 2.0“ umgesetzt, der von der Europäischen Union – NextGenerationEU – finanziert wird. Es erfolgte in Zusammenarbeit mit der Information Society S.A. sowie einem Konsortium aus OTE und QUALITY AND RELIABILITY S.A. als Auftragnehmer. Das Projekt wurde innerhalb von acht Monaten abgeschlossen, unter Mitwirkung von mehr als 150 Mitarbeitenden sowohl des Auftragnehmers als auch des Außenministeriums.

In diesem Rahmen wurden mehrere zehn Millionen Seiten Archivmaterial digitalisiert und mikroverfilmt. Darüber hinaus wurden Zehntausende zuvor nicht erschlossener Archivakten geordnet, und es wurde eine neue digitale Plattform entwickelt, die es autorisierten Forschenden ermöglicht, auf das digitalisierte Material zuzugreifen und es auszuwerten (einschließlich des Einsatzes von KI-gestützten Werkzeugen).

Am 28. Mai 1979 wurde im Zappeion Megaron in Athen der Beitrittsvertrag Griechenlands zu den Europäischen Gemeinschaften unterzeichnet. Die Direktion für Europäische Gemeinschaften des griechischen Außenministeriums informierte die diplomatischen und konsularischen Vertretungen Griechenlands im Ausland offiziell über die Unterzeichnung des Vertrags (Dienst für Diplomatische und Historische Archive, Archiv der Botschaft in Rom, 1979, Akte 3450).

Nutzen des Projekts

Durch die Digitalisierung wird das Archivmaterial des Außenministeriums in eine umfassende digitale Infrastruktur integriert, die eine sichere Archivierung, effiziente Durchsuchbarkeit und kontrollierte Zugänglichkeit im Einklang mit den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen gewährleistet.

Das Projekt bietet insbesondere folgende Vorteile:

  1. Erweiterte Archivverfügbarkeit: Ein erheblicher Umfang zuvor nicht erschlossener oder unstrukturierter Materialien wurde geordnet und in ein einheitliches System integriert. Dadurch ist das Archiv vollständiger, kohärenter und klarer strukturiert.
  2. Nachhaltige Sicherung: Die Materialien werden nun in digitaler Form in einer sicheren Umgebung gespeichert, die Datenintegrität, erhöhten Schutz und langfristige Aufbewahrung gewährleistet.
  3. Zusätzliche Absicherung: Sämtliche digitalisierten Materialien wurden zusätzlich mikroverfilmt und bilden damit eine weitere analoge Sicherungsebene.
  4. Schneller Zugriff durch KI-gestützte Tools: Es wurden fortschrittliche Mechanismen zur Informationsrecherche entwickelt, die einen schnellen und effizienten Zugang unter strengen Verwaltungsregeln sowie modernen Sicherheits- und Vertraulichkeitsstandards ermöglichen.
  5. Verbesserte Nutzbarkeit: Das Archiv ist nun deutlich zugänglicher und funktionaler für Forschende, Bürgerinnen und Bürger sowie politische Entscheidungsträger. Es unterstützt die Außenpolitik durch einen schnelleren Zugriff auf verlässliche Daten und gut dokumentierte Quellen.
Abschrift des Kondolenzschreibens des griechischen Botschafters in London, I. Gennadios, an die britische Regierung zum Untergang der Titanic sowie die Antwort des Foreign Office (Dienst für Diplomatische und Historische Archive, Zentralarchiv, 1912, Akte 56.6, S. 4).

Stärkung des Archivs als Instrument der Diplomatie

Die Digitalisierung des Diplomatischen und Historischen Archivs verbessert die Nutzung dokumentierten historischen Wissens als strukturiertes Instrument für internationale Kommunikation und Diplomatie erheblich. Durch kontrollierten Zugang und zuverlässige Abrufsysteme stärkt das Außenministerium seine Fähigkeit, griechische Positionen konsistent zu vermitteln und ein vertieftes Verständnis zentraler historischer und politischer Entscheidungen zu fördern.

Auf diese Weise entwickelt sich das Archiv zu einem Zentrum für Dokumentation, Kommunikation und Transparenz – und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur demokratischen Rechenschaft sowie zur Stärkung der Glaubwürdigkeit der internationalen Präsenz Griechenlands.

Europäischer Maßstab für die Digitalisierung diplomatischer Archive

Mit diesem Projekt positioniert sich Griechenland als eines der führenden Länder im Bereich des modernen Archivmanagements auf europäischer Ebene. Erstmals wurde ein derart umfangreicher und historisch bedeutender Bestand systematisch erschlossen, dokumentiert und durch eine einheitliche digitale Infrastruktur mit hohen Sicherheitsstandards und klarer institutioneller Aufsicht nutzbar gemacht.

Diese Initiative orientiert sich nicht nur an internationalen Standards, sondern setzt zugleich einen neuen Maßstab für die Bewahrung des diplomatischen Erbes und dessen effektive Nutzung zur Unterstützung nationaler Prioritäten im globalen Kontext.

Diplomatisches und Historisches Archiv

Der Dienst für Diplomatisches und Historisches Archiv (YDIA) des griechischen Außenministeriums ist gemäß Artikel 142 der Organisationsordnung des Ministeriums (Gesetz 4781/2021) für die Organisation, Erhaltung, sichere Verwahrung, Nutzung und Förderung der Archive des Außenministeriums zuständig. Darüber hinaus obliegt ihm die Erstellung von Studien, die Deklassifizierung diplomatischer Archive sowie die Förderung der Forschung.

Der Dienst verwaltet sämtliche Informationsbestände (Archivmaterial), die von den zentralen Diensten des Ministeriums (Direktionen, Abteilungen, Referate) sowie von den griechischen Auslandsvertretungen (Botschaften, Konsulate, Ständige Vertretungen, Verbindungsbüros) empfangen, erstellt oder versandt werden – und zwar in sämtlichen Formaten (z. B. Dokumente, audiovisuelle Materialien, elektronische Datensätze usw.).

Der YDIA ist außerdem für das audiovisuelle Archiv, die Bibliothek sowie die museale Sammlung des Ministeriums verantwortlich.

Greek News Agenda, Greece’s Diplomatic History Goes Digital: The Digitization of the Ministry of Foreign Affairs’ Diplomatic and Historical Archive