Eine Neubetrachtung des Vermächtnisses von Alexander Karatheodori

Die Französisch-Griechischen Angewandten Dialoge veranstalteten am Montag, dem 11., und Dienstag, dem 12. Mai ihre sechste Konferenz in Nea Orestiada, Griechenland. Ziel der Konferenz war es, einen Beitrag zur aktuellen öffentlichen Debatte über geopolitische Unsicherheit, die Krise des Völkerrechts sowie die Rolle der Diplomatie in der heutigen Welt zu leisten.

Die Veranstaltung zeichnete sich durch ihre besondere Originalität aus. Der Dialog zwischen griechisch- und französischsprachigen Expertinnen und Experten eröffnete eine eigenständige Perspektive auf die gegenwärtige internationale Lage – insbesondere zu einem Zeitpunkt, an dem sich die griechischen und französischen Positionen zunehmend annähern. Darüber hinaus gelang es der Konferenz, historische Reflexionen mit weiterführenden Überlegungen zur Gegenwart und Zukunft zu verbinden.

Eröffnet wurde die Konferenz mit einer Würdigung Alexander Karatheodoris, des Leiters der osmanischen Delegation auf dem Berliner Kongress von 1878. In den Diskussionen wurde der Frage nachgegangen, ob und in welchem Maße die Kenntnis der ferneren Vergangenheit dazu beitragen kann, heutige geopolitische Dilemmata besser zu verstehen. Besonderes Augenmerk galt dabei der diplomatischen Klugheit des phanariotischen Staatsmannes Alexander Karatheodori und ihrem Beitrag zur Bewältigung geopolitischer Bedrohungen im 19. Jahrhundert. Professor Stefanos Geroulanos, ein Nachfahre der Familie, sprach ausführlich über Karatheodoris Vermächtnis und seinen intellektuellen Beitrag als Quelle der Inspiration und des Optimismus angesichts der tiefgreifenden internationalen Turbulenzen unserer Zeit.

Von links nach rechts: Aikaterini Sakellaropoulou, ehemalige Präsidentin des griechischen Staatsrates und ehemalige Präsidentin der Hellenischen Republik; Georgios Valinakis, Professor für Internationale Beziehungen und ehemaliger stellvertretender Außenminister; Anastasios-Ioannis Metaxas, Professor emeritus an der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen; Muriel Pénicaud, ehemalige französische Arbeitsministerin und ehemalige Botschafterin; Angelos Syrigos, Parlamentsabgeordneter
sowie Professor für Internationales Recht und Außenpolitik an der Panteion-Universität.

Die Veranstaltung brachte herausragende Persönlichkeiten aus Politik, Diplomatie und Wissenschaft zusammen. Hauptredner war Herman Van Rompuy, der während der griechischen Finanzkrise als Präsident des Europäischen Rates amtierte. In seiner Rede analysierte er umfassend das europäische Projekt im gegenwärtigen internationalen Kontext und betonte die Notwendigkeit von Einigkeit, entschlossener Führung sowie einer Wiederbelebung der geistigen und intellektuellen Dimension der europäischen Integration. Eingeführt wurde er vom ehemaligen Premierminister Panagiotis Pikrammenos.

Die Konferenz wurde zudem vom Außenministerium im Rahmen seiner Initiativen der öffentlichen Diplomatie unterstützt.

Die Generaldirektorin für Öffentliche Diplomatie des Außenministeriums, Frau Katerina Koika, richtete ebenfalls ein Grußwort an die Teilnehmenden. Dabei hob sie die symbolische Bedeutung der Grenzstadt Orestiada hervor, da Thrakien historisch ein Schnittpunkt verschiedener Zivilisationen sowie Schauplatz bedeutender geopolitischer und historischer Entwicklungen gewesen sei.

Frau Koika erklärte, dass Initiativen wie diese Konferenz in einer Zeit tiefgreifender geopolitischer Umbrüche zu einem besseren Verständnis der gegenwärtigen Herausforderungen sowie zur Förderung von Dialog, Zusammenarbeit und gegenseitigem Verständnis beitragen. Zudem verwies sie auf globale Herausforderungen wie Energiesicherheit, Migrationsdruck, den rasanten technologischen Fortschritt, Künstliche Intelligenz sowie zunehmend raffinierte Desinformationskampagnen, die die Integrität von Informationen untergraben.

Besonderes Augenmerk legte Frau Koika auf die öffentliche Diplomatie – nicht nur als Instrument des Krisenmanagements, sondern auch als präventive Kraft, als Brücke des Verständnisses sowie als Mechanismus zum Aufbau von Vertrauen und Stabilität im Rahmen einer modernen und multidimensionalen Außenpolitik.

Zu den Rednerinnen und Rednern zählten unter anderem die ehemalige Präsidentin der Hellenischen Republik Katerina Sakellaropoulou, Dimitris Avramopoulos, Angelos Syrigos, Stelios Perrakis und Anastasios-Ioannis Metaxas sowie weitere renommierte Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Forschende. Die ehemalige französische Arbeitsministerin Muriel Pénicaud, der frühere Direktor des OECD-Entwicklungszentrums Mario Pezzini, der Demograf Gérard-François Dumont, der Geograf André Louchet sowie weitere internationale Expertinnen und Experten unterstrichen zusätzlich die internationale Dimension der Diskussionen.

Der erste Teil der Konferenz konzentrierte sich auf geopolitische Entwicklungen. Die Teilnehmenden untersuchten das sich wandelnde Verhältnis zwischen See- und Landmächten sowie die Auswirkungen technologischer Veränderungen, die die Wahrung der Freiheit der Schifffahrt zunehmend erschweren. Besondere Aufmerksamkeit galt den tiefgreifenden demografischen Veränderungen, der Krise des Westens und dem Aufstieg der Staaten des Globalen Südens.

Im zweiten Teil standen die Reformen und Anpassungen im Mittelpunkt, die erforderlich sind, um die Rolle internationaler Organisationen und der Diplomatie zu stärken. Die Redner kritisierten den übermäßigen Pessimismus, der häufig zu Untätigkeit führe und negative Entwicklungen zusätzlich verschärfe. Zugleich wurde hervorgehoben, dass die internationale Gemeinschaft und die Diplomatie tief in historischen Traditionen verwurzelt seien und trotz der gegenwärtigen Herausforderungen und Unsicherheiten kaum verschwinden würden.

Nea Orestiada, der Geburtsort Alexander Karatheodoris, bot einen besonderen Rahmen für die Konferenz. Die „Karatheodori Family Heritage Association“ spielte eine entscheidende Rolle bei der Begrüßung der Teilnehmenden und bei der Begleitung durch die Region, insbesondere durch das Karatheodori-Museum. Der emeritierte Sorbonne-Professor Georges Prevelakis entwickelte in Abstimmung mit Professor Stefanos Geroulanos sowie in Zusammenarbeit mit Herrn Panagis Kalantzis, Direktor von In Session Events, den thematischen Rahmen der Konferenz und trug maßgeblich zur Organisation und zum reibungslosen Ablauf der Diskussionen bei.

Das Ethnologische Museum von Thrakien unter der Leitung seiner Direktorin Angela Giannakidou sowie Frau Katerina Xyla, Präsidentin des Griechischen Kulturzentrums, leisteten ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Organisation und Durchführung der Konferenz.

Mit dieser Initiative unterstrichen die Französisch-Griechischen Angewandten Dialoge die Bedeutung historischen und geografischen Wissens, internationaler Zusammenarbeit sowie der Diplomatie als unverzichtbare Instrumente zum Verständnis und zur Bewältigung der globalen Herausforderungen unserer Zeit.

Originaltext: Greek News Agend, Diplomacy in an Era of Geopolitical Transformation