Eine vielschichtige kulturelle Reise, die bildende Kunst, Poesie und die wissenschaftliche Beobachtung des Universums miteinander verbindet, findet vom 16. September bis 4. Oktober 2026 in der Nationalbibliothek Griechenlands (NLG) im Kulturzentrum der Stavros Niarchos Stiftung statt. Die von Lefteris Moysiadis konzipierte und initiierte und von Kostas Prapoglou kuratierte Gruppenausstellung „Synastrie“ beschränkt sich nicht auf einen einzigen Ausstellungsort, sondern erstreckt sich über vier verschiedene Orte in Athen und schafft so eine einzigartige „Sternenkarte“ der Stadt.

Das menschliche Bedürfnis, das Universum und die eigene Stellung darin zu verstehen, bildet den zentralen Ausgangspunkt des Projekts. „Synastrie“ greift den astrologischen Begriff auf, nicht als Mittel zur Vorhersage, sondern als System zur Wahrnehmung von Beziehungen, Verwandtschaften und unerwarteten Entsprechungen zwischen dem Menschen und dem Himmelszelt sowie zwischen Kunst, Poesie, Wissenschaft und kollektivem Gedächtnis.

Aus einem Spaziergang auf dem Nymphenhügel

Die Idee entstand während der Pandemie nach einem Spaziergang von Lefteris Moysiadis auf dem Nymphenhügel, unterhalb des Nationalen Observatoriums von Athen. Beim Betrachten der in die Kuppel des Observatoriums eingravierten Symbole der Sternbilder kam ihm der Gedanke, bildende Künstlerinnen und Künstler einzuladen, die Sternbilder und Planeten durch Malerei und Bildhauerei darzustellen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die ursprüngliche Idee durch Begegnungen mit Menschen und Institutionen, die darin ein gemeinsames Dialogfeld erkannten, organisch weiter. Entscheidend war die Beteiligung des Kurators Kostas Prapoglou, der die kuratatorische Leitung der Ausstellung übernahm. Wie er selbst erklärt, funktioniert „Synastrie“ auf mehreren Ebenen: Zum einen geht es um menschliche Beziehungen, zum anderen um die Beziehung des Menschen zum Unbekannten. Die Besucherinnen und Besucher bewegen sich zwischen Kunstwerken und Poesie und begegnen dabei seltenen Büchern und Manuskripten – eine vielschichtige Erfahrung, die Bild, Sprache, wissenschaftliche Erkenntnis und Erinnerung miteinander verbindet.

Zwanzig bildende Künstlerinnen und Künstler, dreizehn Dichterinnen und Dichter und die Sammlungen der Griechischen Nationalbibliothek

Im Atrium des 4. Stockwerks der Nationalbibliothek, unter dem Glasdach, das natürliches Licht und die Veränderungen des Himmels zu einem Teil des Erlebnisses werden lässt, präsentieren 20 bildende Künstlerinnen und Künstler Werke, die von Planeten, Sternbildern und kosmischen Erzählungen inspiriert sind. Die Werke verbinden Mythologie, wissenschaftliche Beobachtung, das Firmament sowie persönliche und kollektive Erinnerung. In die visuelle Reise fügen sich die Stimmen von 13 zeitgenössischen griechischen Dichterinnen und Dichtern ein, mit eigens für das Projekt verfassten Gedichten, die als „Konstellationen der Sprache“ fungieren. Wo das Bild Form gibt, fügt der Vers Rhythmus und innere Schwingung hinzu.

Ergänzt wird die Ausstellung durch seltene Manuskripte und Bücher zur Kosmografie, Astronomie und Astrologie aus den Sondersammlungen der Nationalbibliothek. Das Nebeneinander zeitgenössischer Werke und historischer Dokumente schafft einen Dialog zwischen verschiedenen Epochen: Die Himmelsbeobachtung durch Wissenschaftler vergangener Zeiten trifft auf den zeitgenössischen künstlerischen Blick und unterstreicht damit das zeitlose menschliche Bedürfnis, das Universum zu deuten.

Synastrie“ in der Stadt

Das Projekt erstreckt sich über die Nationalbibliothek hinaus auf drei weitere bedeutende Orte in Athen.

Nationales Observatorium von Athen – Nymphenhügel

Vor der offiziellen Eröffnung der Ausstellung veranstaltet das Nationale Observatorium von Athen, das erste Forschungszentrum Griechenlands, eine besondere Veranstaltung in seinen zentralen Räumlichkeiten auf dem Nymphenhügel in Thissio. Besucherinnen und Besucher sowie Kunstschaffende haben die Möglichkeit, die wissenschaftliche Beobachtung des Himmels unmittelbar zu erleben: Bei einer Führung können sie den Nachthimmel, die Planeten und die Sternbilder mithilfe der historischen Teleskope des Observatoriums beobachten.

Planetarium der Eugenides-Stiftung

Im Planetarium der Eugenides-Stiftung können Besucherinnen und Besucher an „Live-Reisen ins All“ teilnehmen, die ein hochmodernes System zur Simulation von Raumflügen nutzen. Die Termine der Veranstaltungen werden in Kürze bekannt gegeben. Das Projekt verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit dem Erlebnis einer virtuellen Reise ins All und überträgt so die zentrale Idee von „Synastrie“ vom Ausstellungsraum in das Universum selbst.

Stoa Arsaki

Die Reise erreicht am Samstag, dem 26. September, im Licht des Vollmonds in der neuen Stoa Arsakei ihren Höhepunkt. Im Atrium der Stoa werden die an „Synastrie“ beteiligten Dichterinnen und Dichter die eigens für das Projekt verfassten Gedichte vortragen. Die Poesie trifft auf den Nachthimmel, anschließend findet eine dem Vollmond gewidmete musikalische Veranstaltung statt.

„Das Universum bringt das rechte Maß zurück“

Für Lefteris Moysiadis ist „Synastrie“ auch eine Gelegenheit, die Stellung des Menschen in der Welt neu zu überdenken. Moderne Technologie erzeugt oft die Illusion, dass alles gemessen, vorhergesagt und kontrolliert werden kann. Das Universum hingegen „bringt das rechte Maß zurück“. Das Gefühl, angesichts des Universums klein zu sein, ist, wie er betont, keine Demütigung, sondern ein Akt der Selbsterkenntnis. Die Ehrfurcht vor der Unendlichkeit befreit uns von der Vorstellung, im Mittelpunkt von allem zu stehen, und kann uns letztlich „sensibler, demütiger und menschlicher“ machen.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der Griechischen Nationalbibliothek, dem Nationalen Observatorium von Athen und der Eugenides-Stiftung statt und steht unter der Schirmherrschaft des Kulturministeriums, des Ministeriums für Bildung, Religion und Sport, des Ministeriums für sozialen Zusammenhalt und Familie, des Generalsekretariats für Kommunikation und Information, der Athener Industrie- und Handelskammer sowie der Stadt Kallithea. Medienpartner ist die Tsakalou P.R. Agency.

Barrierefreiheit für alle: Besonderer Wert wurde auf die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Sehbehinderung gelegt. Die Ausstellung umfasst taktile Darstellungen der Werke, Audiobeschreibungen sowie spezielle Beschriftungen und Informationsmaterialien, sodass Besucherinnen und Besucher mit Sehbehinderung die Kunstwerke, die Poesie und die Bücher der Ausstellung kennenlernen und wahrnehmen können.

Informationen

Veranstaltungsort: Atrium im 4. Stock der Griechischen Nationalbibliothek, SNFCC, Leof. Syngrou 364, Kallithea

Zeitraum: 16. September – 4. Oktober 2026

Öffnungszeiten: Montag–Sonntag, 9:30–20:00 Uhr

Eintritt: frei

Quellen und Fotos:

amna.gr

athensvoice.gr