Die Energiesicherheit und Widerstandsfähigkeit des östlichen Mittelmeerraums standen im Mittelpunkt der Gespräche, die die griechische Delegation unter der Leitung des Ministers für Umwelt und Energie, Stavros Papastavrou, in den USA führte. Die Zusammenarbeit der Staaten des östlichen Mittelmeerraums – im Rahmen der 3+1-Initiative, des East Mediterranean Gas Forum (EMGF) und des Global Energy Forum des Atlantic Council – scheint zunehmend an Dynamik zu gewinnen, konkrete Formen anzunehmen und klare Rahmenbedingungen für die Region zu schaffen.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Staaten des östlichen Mittelmeerraums über Energiefragen sprechen. Erstmals jedoch geht die Energiediplomatie über die engen Grenzen wirtschaftlicher Transaktionen hinaus und bringt geopolitische Auswirkungen mit sich. Griechenland strebt in dieser neuen Energiegeometrie eine Schlüsselrolle als Stabilitätsanker an.
East Mediterranean Gas Forum
Am Montag, dem 8. Juni, fand im Gebäude der Handelskammer in Washington die 10. Ministertagung des East Mediterranean Gas Forum (EMGF) statt. Den Vorsitz führte der Minister für Umwelt und Energie der Hellenischen Republik, Stavros Papastavrou. Gastgeber der Veranstaltung waren die Vereinigten Staaten von Amerika, vertreten durch Energieminister Chris Wright.
Neben dem griechischen und dem amerikanischen Energieminister nahmen an der Tagung der Minister für Energie, Handel und Industrie der Republik Zypern, Michalis Damianos, der ägyptische Minister für Erdöl und Bodenschätze, Karim Badawy, der jordanische Minister für Energie und Bodenschätze, Saleh Ali Al-Kharabsheh, die Leiter der Regierungsdelegationen aus Israel, Italien und Palästina sowie Vertreter der Europäischen Union und der Weltbank teil.

Das Treffen fand nahezu drei Jahre nach der letzten Ministertagung statt, bei der Griechenland den Vorsitz des Forums innehatte.
Dieses Forum besitzt besondere Bedeutung, da es das einzige Forum ist, in dem die Regierungen Jordaniens, Israels und Palästinas gemeinsam mit den Mitgliedstaaten (Zypern, Ägypten, Griechenland, Italien und Frankreich) sowie den Beobachtern (Europäische Union, Vereinigte Staaten von Amerika und Weltbank) vertreten sind.
Die Krise im Nahen Osten hatte zu wiederholten Verschiebungen der Sitzungen sowie zu gegenseitigen Einwänden Israels und Palästinas geführt. Die Bedeutung der Energiesicherheit in der Region und des Schutzes der Energieinfrastruktur brachte jedoch alle Staaten – mit Ausnahme Frankreichs, das an der Sitzung nicht teilnahm – wieder an einen Tisch.
Laut dem gemeinsamen Kommuniqué erörterten die Mitglieder „Möglichkeiten, wie die Mitgliedstaaten das EMGF nutzen können, um den Aufbau vernetzter und widerstandsfähiger Energiesysteme im östlichen Mittelmeerraum auf der Grundlage von Erdgas zu fördern und gleichzeitig die Region als strategischen Energiekorridor hervorzuheben, der den Nahen Osten, Europa und Afrika miteinander verbindet“.

Gleichzeitig bekräftigten die Teilnehmer ihren erneuerten Willen, die Zusammenarbeit im Rahmen des Forums zu vertiefen. Dabei betonten sie die uneingeschränkte Achtung der Rechte der Mitgliedstaaten an ihren natürlichen Ressourcen im Einklang mit dem Völkerrecht. Darüber hinaus verpflichteten sie sich, „eine konstruktive Zusammenarbeit zur Stärkung der Energiesicherheit und der Widerstandsfähigkeit der Energiesysteme zu fördern und zugleich die wechselseitige Abhängigkeit der Erdgas- und Stromnetze in einer kritischen Phase hervorzuheben“.
Bemerkenswert ist, dass Israel ab dem 1. August den Vorsitz des EMGF übernehmen wird. Dies wurde einstimmig beschlossen und erfolgte mit den Stimmen Jordaniens und Palästinas. Quellen des Ministeriums für Umwelt und Energie betonten, dass die energiepolitische Zusammenarbeit die belastete Vergangenheit und Gegenwart der Region überwindet. Minister Papastavrou erklärte hierzu:
„Wir schaffen einen Rahmen für die Zusammenarbeit unter uneingeschränkter Achtung des Völkerrechts sowie auf der Grundlage gemeinsam akzeptierter Prinzipien und Handelsregeln, der die Stabilität stärkt und einseitigem sowie revisionistischem Verhalten entgegenwirkt.“
Global Energy Forum des Atlantic Council
Die östliche Mittelmeerregion stand am Mittwoch im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion zum Thema der zukünftigen Widerstandsfähigkeit der europäischen Energieversorgung, die im Rahmen des Global Energy Forum des Atlantic Council stattfand. Zu den Rednern gehörte unter anderem der Minister für Energie, Handel und Industrie der Republik Zypern, Michalis Damianos.
Im Zusammenhang mit den gemeinsamen Prioritäten Griechenlands und Zyperns in den Bereichen Energieverbindungen und Energiesicherheit erläuterte der Minister für Umwelt und Energie die neue Energiegeometrie der Region. Dabei stellte er Griechenland und die Bemühungen der Regierung um eine größere energiepolitische Eigenständigkeit in den Mittelpunkt seiner Ausführungen.In dieser neuen Energiegeometrie nimmt der Vertikale Gaskorridor (Vertical Gas Corridor) eine zentrale Stellung ein. Er stärkt die Energiesicherheit in Südost- und Mitteleuropa, schafft einen gemeinsamen Raum von rund 100 Millionen Menschen und verbindet Energieinfrastrukturen zu einem integrierten Netz, das sowohl die europäische als auch die transatlantische Energieversorgung widerstandsfähiger macht.
Das Polygon des East Mediterranean Gas Forum (EMGF) – mit seinen acht Mitgliedstaaten und drei Beobachtern – schafft einen Rahmen für Zusammenarbeit und Stabilität im östlichen Mittelmeerraum. Es fördert die Entwicklung der Region, indem es Kooperation an die Stelle von Konkurrenz setzt und die gemeinsame Interessenwahrnehmung stärkt.
Das Dreieck Griechenland–Zypern–Israel, das sich mit den Vereinigten Staaten zu einem Viereck erweitert – dem sogenannten „3+1-Format“ –, hat den strategischen Wert regionaler Partnerschaften deutlich gemacht. Großprojekte wie die Stromverbindungen GSI und GREGY tragen zur Entstehung eines integrierten Energieökosystems bei, das weit über die nationalen Grenzen hinausreicht.

Zugleich nimmt die große Diagonale des IMEC (India–Middle East–Europe Economic Corridor / Wirtschafts- und Verkehrskorridor Indien–Naher Osten–Europa) Gestalt an. Dieses ambitionierte Konnektivitätsprojekt verbindet Indien über den Nahen Osten mit Europa und stützt sich dabei auf Häfen, Eisenbahnnetze, Autobahnen sowie digitale Infrastrukturen.
Somit bilden der östliche Mittelmeerraum und unser Land tatsächlich das Zentrum dieser neuen Geometrie“, erklärte der Minister.
Gleichzeitig entstehen durch Initiativen wie den IMEC und die Zusammenarbeit Griechenlands mit den Vereinigten Staaten neue globale Verflechtungen, die die Rolle Griechenlands als Tor zwischen Europa, dem östlichen Mittelmeerraum, dem Nahen Osten und darüber hinaus gelegenen Regionen unterstreichen.
3+1-Format
Am Donnerstag reiste die griechische Delegation nach Texas, genauer gesagt nach Houston, um an der zweiten Sitzung des energiepolitischen 3+1-Formats teilzunehmen, dem Griechenland, Zypern, Israel und die Vereinigten Staaten angehören.
Nach vorliegenden Informationen standen erneut die Energieverbindungen und Infrastrukturprojekte im Mittelpunkt der Gespräche – bereits zum wiederholten Mal innerhalb derselben Woche. Darüber hinaus wurden gemeinsame Maßnahmen zur Stärkung der regionalen Zusammenarbeit sowie Möglichkeiten zu deren weiterer Ausweitung erörtert.

Im Rahmen der Ministertagung des 3+1-Formats wurde besonderes Gewicht auf die Cybersicherheit und den Schutz kritischer Energieinfrastrukturen gelegt. Darüber hinaus wurde die Einrichtung einer Arbeitsgruppe (Task Force) zu diesem Zweck beschlossen.
Gemeinsamer Nenner der Stellungnahmen der Minister war die Feststellung, dass eine Instrumentalisierung von Energie nicht akzeptabel ist. Minister Papastavrou brachte dieses Thema von Beginn an auf und betonte, dass „die Instrumentalisierung von Energie in der Region nicht akzeptabel ist“. US-Energieminister Chris Wright unterstrich, dass „Kooperation durch Handel Konflikten vorzuziehen ist“.
Dies soll eine neue Kooperationsdoktrin sowie den Grundstein eines energiepolitischen Mosaiks bilden, das niemanden ausschließt – mit Ausnahme von Provokationen und einseitigen Ansprüchen im östlichen Mittelmeerraum. Zudem wurde ein weiteres Treffen in Israel für Dezember 2026 vereinbart.
Es zeichnet sich zunehmend eine neue geopolitische Realität ab, in deren Zentrum die Kooperation als notwendige Voraussetzung steht. Staaten, die nicht in der Lage sind, sich diesen neuen Rahmenbedingungen und den nun die internationalen Beziehungen prägenden Handelsregeln anzupassen, tendieren zum Isolationismus. Dieser Einschätzung schlossen sich alle Teilnehmer des 3+1-Formats grundsätzlich an, da die Botschaft der Einheit und der gemeinsamen Zielsetzungen dominierte.
Energiezentrum für den östlichen Mittelmeerraum
Unter dem Leitgedanken, jede Form der Instrumentalisierung von Energie zu verhindern, wurde an der Rice University die Erklärung zur Gründung des Energiezentrums für den östlichen Mittelmeerraum (EMEC) unterzeichnet. Unterzeichner waren der US-Energieminister Chris Wright, der zypriotische Minister für Energie und Industrie Michalis Damianos, der griechische Minister für Umwelt und Energie Stavros Papastavrou sowie der israelische Botschafter in den USA, Yechiel Leiter.
Bereits 2019 hatte das US-Energieministerium im Rahmen des „Eastern Mediterranean Security and Energy Partnership Act“ die Einrichtung eines Energiezentrums für die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und dem östlichen Mittelmeerraum vorgeschlagen. Ziel war die Förderung der strategischen Energiekooperation zwischen den USA, Griechenland, Zypern und Israel mit einer erweiterten Wirkung auf den gesamten euro-mediterranen Raum. Der Gesetzesentwurf erhielt parteiübergreifende Unterstützung im US-Kongress; der heutige US-Außenminister Marco Rubio gehörte während seiner Zeit im Senat im Jahr 2019 zu den wichtigsten Befürwortern.

Der griechische Minister für Umwelt und Energie, Stavros Papastavrou, hat in Zusammenarbeit mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen Chris Wright die Diskussion über die Gründung des Zentrums erneut auf die Agenda gesetzt. Auf die gemeinsame Verpflichtung zur Förderung der Energiesicherheit im östlichen Mittelmeerraum während des P-TEC im November 2025 in Athen folgten Besuche und Gespräche des griechischen Ministers in den Vereinigten Staaten sowohl im März als auch im Juni 2026. Letztere führten zur Unterzeichnung der Erklärung, mit der die Gründung des Energiezentrums für den östlichen Mittelmeerraum auf den Weg gebracht wird.
Die jüngsten regionalen Instabilitäten haben die Bedeutung widerstandsfähiger Energiesysteme im gesamten östlichen Mittelmeerraum deutlich gemacht. Ziel ist es, dass das Zentrum als Plattform zur Stärkung der regionalen Energiesicherheit, zur Ausweitung des Infrastrukturausbaus sowie zur Erschließung kommerzieller Chancen dient.
Mit Unterstützung des US-Kongresses wird das Zentrum die wirtschaftliche und energiepolitische Resilienz der regionalen Partner stärken, indem es Investitionen erleichtert, die Marktintegration verbessert und die Entwicklung fortschrittlicher Energiesysteme und Infrastrukturprojekte unterstützt. Die Aktivitäten konzentrieren sich auf die Steigerung des grenzüberschreitenden Energiehandels, die Verbesserung der Systemzuverlässigkeit sowie die Positionierung US-amerikanischer Unternehmen im Wettbewerb um hochwertige regionale Projekte.
In diesem Sinne strebt das Zentrum die Zusammenarbeit zwischen den 3+1-Regierungen, technischen und finanziellen Institutionen, der Wissenschaft sowie dem privaten Sektor an.
An der anschließenden Zeremonie nach der Unterzeichnung der Erklärung nahmen Vertreter großer amerikanischer Energiekonzerne teil, darunter Chevron, ExxonMobil und Cheniere.
Es sei daran erinnert, dass sich Papastavrou zuvor mit hochrangigen Führungskräften aller drei Unternehmen getroffen hatte, mit dem Ziel, die Entwicklung des Kohlenwasserstoffsektors zu beschleunigen.
Es ist nun klar, dass der östliche Mittelmeerraum eine veränderte Rolle einnehmen und zu einem Schlüsselfaktor für Stabilität und Wohlstand sowie für die Stärkung der transatlantischen Beziehungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten werden wird.




