Eine bedeutende Ausstellung in der Basil & Elise Goulandris Stiftung

Die Basil & Elise Goulandris Stiftung präsentiert „Jannis Psychopedis: Landschaften der Erinnerung. Die Werke, die ich behalten habe“, eine umfassende Retrospektive, die einem der bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen griechischen Kunst, Jannis Psychopedis, gewidmet ist.

Die vom 20. Mai bis zum 4. Oktober 2026 gezeigte Ausstellung zeichnet Psychopedis’ künstlerischen Weg von 1962 bis in die Gegenwart anhand von rund 70 Gemälden, Zeichnungen und Mixed-Media-Arbeiten nach. Von besonderer Bedeutung ist, dass es sich um Werke handelt, die der Künstler selbst für seine persönliche Sammlung ausgewählt und bewahrt hat. Dadurch eröffnen sie einen seltenen und sehr persönlichen Einblick in seine künstlerische Entwicklung sowie in die Entscheidungen, die seinen Werdegang geprägt haben.

„Die Begegnung“, 1967. Öl auf Leinwand, 60 × 80 cm

Jannis Psychopedis, eine bedeutende Persönlichkeit der griechischen Nachkriegsmalerei, entwickelt eine unverwechselbare Bildsprache, in der er politische Spannungen, gesellschaftliche Umbrüche, Erinnerung, Exil, das fragmentierte urbane Leben und autobiografische Elemente thematisiert. Sein künstlerisches Schaffen ist zugleich zutiefst von Literatur durchdrungen. Texte, Manuskripte, Gedichte und Anspielungen auf Schriftsteller, Philosophen und historische Dokumente finden sich häufig in seinen Kompositionen und verwandeln viele seiner Werke in visuelle Meditationen, die sich wie Tagebücher oder Erinnerungsfragmente entfalten. Seine Gemälde wollen ebenso gelesen wie betrachtet werden.

Psychopedis etablierte sich in den liberalen 1960er Jahren als prägende Persönlichkeit der griechischen Kunstszene und war ein führendes Mitglied der Künstlergruppe „A“, der Neuen Griechischen Realisten sowie des Zentrums für Bildende Kunst. Von Beginn seiner künstlerischen Laufbahn an spiegelte sein Werk die internationale Bewegung der Neofiguration wider, die in Griechenland eine eigenständige Ausprägung erfuhr. Die Vielschichtigkeit seines Beitrags zum Neorealismus entstand durch das dynamische Zusammenspiel zweier künstlerischer Welten: einerseits einer tief in der griechischen Kultur verwurzelten, andererseits einer durch seine westliche künstlerische Ausbildung geprägten Welt. Anstatt in einer einheitlichen Bildsprache zu verschmelzen, blieben diese parallelen Einflüsse in einem produktiven Spannungsverhältnis, förderten einen fruchtbaren künstlerischen Austausch und bestärkten zugleich den Künstler in seinem Widerstand gegen aggressive Industrialisierung und ungezügelten Konsumismus.

Die Ausstellung entfaltet sich in zwanzig thematischen Kapiteln, die auf den Erzählungen und persönlichen Reflexionen des Künstlers selbst beruhen. Sie beginnt mit Werken aus dem Jahr 1962, die den eigentlichen Beginn von Psychopedis’ künstlerischem Weg markieren, gefolgt von Arbeiten aus dem Jahr 1967, die die politischen und gesellschaftlichen Spannungen jener Zeit einfangen.

Der Abschnitt „Anatomiestunde“ zeigt die anhaltende Auseinandersetzung des Künstlers mit der Anatomie, die bis in seine Studienzeit zurückreicht. Diese intensive Beschäftigung zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung und zeigt sich in Figuren, die unsichtbare Wunden zu tragen scheinen; selbst die zunächst erotisch anmutenden nackten Körper wirken zerbrechlich und verletzlich.

In „Der Brief, der nie ankam“ verbinden sich Elemente des Alltags mit autobiografischen Bezügen durch den Einsatz verschiedenartiger Materialien. „Nacht in Brüssel“, entstanden nach der Übersiedlung des Künstlers nach Brüssel im Jahr 1986, untersucht das Verhältnis zwischen Innen- und Außenraum, zwischen der Intimität des privaten Zimmers und der urbanen Landschaft vor dem Fenster.

„Das Cover“, 1970. Öl auf Leinwand, 32 × 24 cm

Der 1999 entstandene Zyklus „Bericht an Goya“ fungiert als eindringliches Antikriegsstatement, das traumatische Bilder der Vergangenheit mit den Realitäten der Gegenwart verknüpft. Ebenso emblematisch ist „Orakel“, eines der bedeutendsten Werke des Künstlers, das sich durch seine vielschichtige Struktur sowie durch den Dialog zwischen antiker und zeitgenössischer Zivilisation auszeichnet. Bezüge zur klassischen Antike durchziehen auch die von den verheerenden Bränden des Jahres 2007 im antiken Olympia inspirierte Serie. In diesen Arbeiten reflektiert der Künstler das Verhältnis zwischen gelebter Erfahrung und dem fortdauernden Vermächtnis der klassischen Welt.

„Orakel“ [Triptychon], 2003. Mischtechnik, 130 × 410 cm

Die Ausstellung wird von Kyriakos Koutsomallis, Generaldirektor der Basil & Elise Goulandris Foundation, kuratiert.

Ein umfangreicher zweisprachiger Katalog in griechischer und englischer Sprache begleitet die Ausstellung. Ergänzt wird sie durch eine dreiteilige Podcast-Reihe, die im Rahmen der Reihe „B&E Goulandris Podcasts: An Audio Dive into the Enchanting World of Art“ produziert wurde und auf den wichtigsten Streaming-Plattformen verfügbar ist.

Jannis Psychopedis

Jannis Psychopedis wurde 1945 in Athen geboren und studierte an der Hochschule der Bildenden Künste Athen, bevor er seine Ausbildung mit einem DAAD-Stipendium an der Akademie der Bildenden Künste München fortsetzte. Während der Zeit der griechischen Militärdiktatur war er Mitbegründer der Gruppe „Junge Griechische Realisten“, deren sozial engagierte figurative Malerei mit dem Widerstand gegen die Diktatur verbunden wurde. Nach längeren Aufenthalten in München, West-Berlin und Brüssel kehrte er Anfang der 1990er-Jahre dauerhaft nach Griechenland zurück und lehrte anschließend bis 2012 Malerei an der Hochschule der Bildenden Künste Athen.

Im Laufe seiner Karriere präsentierte Psychopedis zahlreiche internationale Einzelausstellungen und nahm an bedeutenden Gruppenausstellungen sowie Retrospektiven teil. Sein Werk nimmt innerhalb der zeitgenössischen europäischen Malerei eine einzigartige Stellung ein und zeichnet sich durch die Verbindung von politischem Bewusstsein, historischer Tiefe und einem zutiefst persönlichen Ausdruck aus.

Originalartikel: Greek News Agenda, Jannis Psychopedis: Landscapes of Memory