Der griechische Minister für Schifffahrt und Inselpolitik, Vassilis Kikilias, hob in seiner Rede beim Capital Link Japan Maritime Forum in Tokio die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Griechenland und Japan hervor. Diese sei entscheidend, um die Entwicklungen in der globalen Schifffahrt mitzugestalten, den freien Handel zu sichern und Volkswirtschaften und Gesellschaften vor den Auswirkungen internationaler Krisen zu schützen.

Der Minister betonte, dass Griechenland und Japan zusammen rund 32 % der weltweiten Handelsflotte repräsentierten und somit die Entwicklung der globalen Schifffahrt maßgeblich beeinflussen könnten. Wie er ausdrücklich hervorhob, verfüge Griechenland, obwohl es lediglich 2 % des europäischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmache, über 20 % der weltweiten Handelsflotte, während der Anteil Japans bei rund 12 % liege. Er erläuterte: „80 bis 90 % des weltweiten Handels werden auf dem Seeweg abgewickelt. Im Falle Japans erfolgen sogar 97 % der Importe und Exporte auf dem Seeweg. Alles, was auf See geschieht, wirkt sich unmittelbar auf unseren Alltag, die Weltwirtschaft, die Volkswirtschaften der einzelnen Staaten, die Lebensmittelversorgung und das Angebot in den Supermärkten aus – kurzum, auf das tägliche Leben einer durchschnittlichen Familie. Daher sind die Entscheidungen, die wir treffen, und die Art und Weise, wie wir durch Zusammenarbeit die Entwicklungen mitgestalten können, heute wichtiger denn je“.

Mit Blick auf die internationalen Entwicklungen hob der Minister hervor: „Wir erleben Kriege im Herzen Europas und im Nahen Osten, Inflation sowie hohe Energie- und Güterpreise. Derzeit ist auch kein baldiges Ende der Kriege in Sicht. Japan ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, steht aber – je nach weiterer Entwicklung der Lage – ebenfalls vor Herausforderungen. Wir wissen, dass die Rahmenbedingungen äußerst schwierig werden. Deshalb müssen wir uns abstimmen und Gespräche und Verhandlungen über den Welthandel führen. Berücksichtigt man in diesem äußerst schwierigen internationalen Umfeld auch die Diskussionen, die in den vergangenen Monaten bei der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) über das Net-Zero Framework geführt wurden, wird die Lage noch komplexer. Wir haben eine führende Rolle dabei übernommen, die entscheidenden Fragen aufzuwerfen und die Diskussion darüber anzustoßen, in welchem Tempo wir den Übergang zu einem grüneren und besseren Planeten vorantreiben sollten – einem Planeten, den wir unseren Kindern hinterlassen müssen. Das ist selbstverständlich unser Ziel, das wir alle erreichen wollen. Das Tempo des Übergangs muss jedoch so gestaltet sein, dass Gesellschaften und Volkswirtschaften es bewältigen können“.

„Bislang decken alternative Kraftstoffe lediglich 0,5 % des weltweiten Bedarfs. Wir sagen, dass wir unser Ziel letztlich erreichen werden, und müssen dafür die notwendigen Schritte unternehmen. Dabei müssen wir jedoch die Gesellschaften und die Menschen mitnehmen. Denn eine durchschnittliche japanische Familie und jeder Bürger in Japan müssen sich weiterhin die notwendigen Lebensmittel im Supermarkt leisten und ihren Energiebedarf im Winter decken können. Das gilt für alle Menschen auf der Welt, auch für die Menschen in Griechenland“, fügte er hinzu.

In diesem Zusammenhang wandte er sich an die Vertreter der Schifffahrtsbranche und hob er hervor „Die Schifffahrtsbranche, die Reeder, Schiffbauer, Händler und alle anderen in diesem Sektor Tätigen ebenso wie Kapitäne, Ingenieure und Seeleute sind untrennbar mit der Gesellschaft verbunden.“ Mit Blick auf die historischen Beziehungen zwischen Griechenland und Japan unterstrich er: „Nach den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs hatten griechische Reeder den Mut, nach Japan zu kommen und den Bau ihrer Schiffe auf japanischen Werften in Auftrag zu geben. Wir sind hier, um zu zeigen, wie sehr wir dieses Land schätzen, wie sehr wir seine Menschen respektieren und dass wir unsere Beziehungen noch weiter vertiefen wollen.“

Im Rahmen seines Besuchs in Tokio führte der griechische Minister für Schifffahrt und Inselpolitik Gespräche mit dem japanischen Minister für Entwicklungsstrategie, Minoru Kiuchi, dem stellvertretenden Minister für Infrastruktur, Verkehr und Tourismus, Kentaro Asahi, sowie dem Vorsitzenden der Parlamentarischen Freundschaftsgruppe Japan–Griechenland, Taro Kono. Im Mittelpunkt der Treffen standen die Vertiefung der bilateralen Beziehungen, die Stärkung der maritimen Zusammenarbeit sowie internationale Entwicklungen, die sich auf die Sicherheit der Schifffahrt auswirken.

Bei seinem Treffen mit Minoru Kiuchi äußerten beide Minister ihre Besorgnis über die anhaltenden Risiken für die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus und deren Auswirkungen auf den internationalen Seehandel. Darüber hinaus setzten sie ihre im September am Rande der Internationalen Messe Thessaloniki (TIF) begonnenen Gespräche über eine vertiefte Zusammenarbeit in den Bereichen Hafenlogistik und Schiffbau fort. Der Schiffbau gehört zu den 17 strategisch wichtigen Sektoren, die von der Regierung der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi festgelegt wurden. Unter Hinweis auf die gemeinsamen Werte, die beide Länder verbinden, und ihr Bekenntnis zum Völkerrecht bekräftigten beide Seiten ihren gemeinsamen Willen, die maritime Zusammenarbeit in all ihren Bereichen umfassend auszubauen – sowohl auf bilateraler Ebene als auch im Rahmen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO), in der die entscheidenden Verhandlungen über die Energiewende in der Schifffahrt geführt werden.

Kikilias traf sich außerdem mit dem japanischen Vizeminister für Infrastruktur, Verkehr und Tourismus, Kentaro Asahi. Bei dem Gespräch wurden die lange Tradition und die besondere Bedeutung der maritimen Beziehungen zwischen Griechenland und Japan gewürdigt. Diese Beziehungen entwickelten sich nach den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und haben sich über Jahrzehnte auf einem so hohen Niveau gehalten, dass die qualitativ hochwertigen japanischen Werften für griechische Reeder nach wie vor zu den bevorzugten Partnern zählen. Bei den Schiffbauaufträgen belegen griechische Reeder weltweit den zweiten Platz. Beide Seiten bekräftigten ihr gegenseitiges Interesse daran, die bilaterale Zusammenarbeit in der Schifffahrt und im Schiffbau durch die Förderung wechselseitiger Investitionen weiter auszubauen. Darüber hinaus bekundeten sie ihr Interesse an einer operativen Zusammenarbeit zwischen den Küstenwachen beider Länder sowie im Rahmen der IMO.

Quellen, Fotos: amna.gr, amna.gr, @Υπουργείο Ναυτιλίας & Νησιωτικής Πολιτικής (Fb Website), @Vassilis Kikilias (Fb Website)